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Vondenloh - Autor sucht Autorin

Bücher mit Lokalkolorit

Gelesen: Vondenloh

Vondenloh: Roman von Frank Witzel

ER und Helgas Bücher

Von der Angst eines Vondeloh-Suchers

kurz vor der Entdeckung

Er möchte seine Jugendliebe wiederfinden. Es ist nicht ganz klar, ob er seine Helga - die sich jetzt Bettine Vondenloh nennt – liebt, oder die Bücher, die sie schreibt.
Nach getaner Arbeit als Chef des Verkehrsbüros in seinem Geburtsort Leinheim, setzt er sich an seinen Schreibtisch und schreibt, genau wie sie (wahrscheinlich).
Er kennt alle ihre Bücher in- und auswendig. Er bewundert ihren Schreibstil, wie sie alles genau auf den Punkt bringt, so ganz ohne Umschweife. Das ist genau der Gegensatz zu ihm, dessen Sätze, mitsamt den Nebensätzen, über acht Zeilen gehen - meist ein Satz pro Absatz.
Es ist ihm heute noch peinlich, dass er ihren ersten Schreibversuch korrigiert hatte. Damals waren sie beide fünfzehn Jahre alt. Er hatte sich im Peter Handke festgelesen und wollte unbedingt dessen Stil kopieren. Helga orientierte sich eher an den Geschichten der "Bäckerblume", der einzigen Lektüre in ihrem Elternhaus. Später, als sie ein persönliches Ereignis in verfremdeter Form zu Papier brachte und an die Redaktion der "Bäckerblume " schickte, wurde es sofort in der nächsten Ausgabe gedruckt. Er selbst hat es auch einmal versucht, und, wie er meinte, im Stil weitaus besser. Es wurde leider nie gedruckt, genau so wenig, wie Komponisten seine Werke vertonen oder Verlage sie veröffentlichen wollten.
Er ist nicht neidisch auf seine Helga, die nach dem Abitur Hals über Kopf mit unbekanntem Ziel auszog, und sich nie mehr in Leinheim blicken liess. Mehrere Jahre war sie verschollen.

ER auf Helgas Spuren

Gern würde ER ihr Blumen bringen

wenn ER sie nur finden würde

Dann kam ein Buch von ihr heraus, das sie zu einer gefeierten Schriftstellerin machte, die in sämtlichen Talkshows und Zeitschriften präsent war. Pro Jahr folgte jeweils ein Buch, das immer genau 120 Seiten umfasste. In jedem ihrer Bücher kommen Ereignisse vor, deren Ursprung er genau kennt. Er ist sogar ein bisschen enttäuscht, dass sie manchmal nicht mehr über ihn geschrieben hat, sondern ihn nur am Rande streifte.
Zufällig kam er einmal in Paris an einer Buchhandlung vorbei, in der sie ihre Bücher signierte.
Freudig drängte er sich vor, doch auf sein: "Na, Helga, kennst du mich noch?" sprang sie entsetzt auf und rannte davon. Das hat ihn sehr getroffen.
Er nimmt an einem Symposium über Bettine Vondenloh teil, weil er mehr über die Zeit zu erfahren hofft, nachdem sie verschwunden war. Mit einer Literaturwissenschaftlerin teilt er sein Erstaunen. Sie fragt sich, wie eine Anfängerin im Jahresabstand ein solch ausgereiftes Werk vorlegen kann.
Genau das fragt er sich auch.
Nach einigen Recherchen - die sich erst zufällig aneinanderreihen wie die Perlen einer Kette und mit der Zeit immer spannender werden - entdeckt er ihr Geheimnis.
Selbst da liebt er sie noch.

Fazit

Lesen, lesen, lesen

Dieses Werk liest sich
- wenn die Leserin am Anfang etwas Zeit und Geduld mitbringt - spannend wie ein Kriminalroman.
Es könnte aber auch die Charakterstudie von Dorfbewohnern darstellen.
Genau so geht diese Lektüre als Frauenroman durch oder sogar als Männerroman.
Bloss unter Liebesroman würde ich dieses Buch nicht einordnen - oder vielleicht doch?

Buchtipp:

Vondenloh: Roman von Frank Witzel
Verlag: Textem Verlag; Auflage: 1 (September 2008)
ISBN-10: 3938801484
ISBN-13: 978-3938801482






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